{"id":354,"date":"2022-05-04T08:22:33","date_gmt":"2022-05-04T08:22:33","guid":{"rendered":"https:\/\/gruene-emsland.de\/?p=354"},"modified":"2022-05-04T08:22:33","modified_gmt":"2022-05-04T08:22:33","slug":"kreisausschuss-soziales-arbeit-und-integration-vom-7-3-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gruene-emsland.de\/?p=354","title":{"rendered":"Kreisausschuss Soziales, Arbeit und Integration vom 7.3.22"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Antrag zur Pflege von B\u00fcndnis 90\/ Die Gr\u00fcnen<\/p>\n\n\n\n<p>Rede von Martina Pellny, Antragstellerin und Mitglied des Fachausschusses<br>Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Verwaltung, liebe Kollegen,<br>Ja &#8211; warum habe ich diesen Antrag gestellt?<br>Als ich vor zweieinhalb Jahren ins Emsland zur\u00fcckkehrte stand ich vor einer neuen Situation, n\u00e4mlich pflegende Angeh\u00f6rige zu sein. Und ich suchte nach Unterst\u00fctzung.<br>Ich habe lange f\u00fcr die WHO gearbeitet und kannte die guten pflegerischen Versorgungskonzepte aus den Niederlanden, aus D\u00e4nemark und Skandinavien, wo akademisch qualifizierte Pflegefachkr\u00e4fte schon sehr lange in der Regelversorgung angekommen sind. Sie beraten \u2013 meist auf kommunaler Ebene &#8211; in Situationen, wo pflegende Angeh\u00f6rige oder noch fitte Senioren eine passgerechte Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre individuellen Bed\u00fcrfnisse suchen, Sie sind wertvolle \u201eLotsen\u201c, \u201eK\u00fcmmerer\u201c, und arbeiten h\u00e4ufig in interdiziplin\u00e4ren Teams.<br>Mir ging es vor allem darum, meine \u00e4lteren Angeh\u00f6rigen mit meiner Hilfe \u2013 aber auch mit den Hilfen des \u201eSystems\u201c so lange wie m\u00f6glich zu Hause zu halten, und vor allem akute Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Ich suchte professionelle Fachkr\u00e4fte, die einen Blick f\u00fcr Pr\u00e4vention haben. Die darin trainiert sind, die Schnittstellen zwischen \u00e4rztlicher Versorgung, Medikamentengabe, Haushaltsunterst\u00fctzung, ambulanter Pflege, station\u00e4ren Leistungen individuell zu optimieren und dabei noch die pflegenden Angeh\u00f6rigen im Blick haben.<br>Gesto\u00dfen bin ich stattdessen auf v\u00f6llig \u00fcberlaufene Hausarztpraxen, auf ambulante Pflegedienste, die kaum Zeit hatten, eine Beratung f\u00fcr pflegende Angeh\u00f6rige anzubieten, da alle Kr\u00e4fte in den Diensten waren &#8211; und gesto\u00dfen bin ich auf eine Reihe von Telefonnummern \u2013 vor allem der Pflegekassen \u2013 wo man stundenlang in der Warteschlange h\u00e4ngt. Auf die Telefonnummer des Pflegest\u00fctzpunktes Emslandes bin ich dann nur durch Zufall aufmerksam geworden, aber das \u2013 sicher sehr nette Telefonat \u2013 hat mir tats\u00e4chlich, in meiner damaligen Situation, konkret nicht weitergeholfen. Ich wurde mit weiteren Telefonnummern versorgt. Ich f\u00fchlte mich ziemlich allein gelassen.<br>Und ich denke, dieses Gef\u00fchl der Hilflosigkeit, des Wissens, wir m\u00fcssen hier Unterst\u00fctzung haben \u2013 aber wo gibt es diese professionelle Hilfe der Beratung &#8211; kennen viele Angeh\u00f6rige. Und viele lassen es dann, weil sie keine Zeit f\u00fcr lange Telefonwarteschlangen haben, einfach laufen, und sagen sich, es wird schon gut gehen. Der Papa oder der Mutter geht es sicher bald besser.<br>Und dann kommt der Moment eines Akutereignisses \u2013 der Angeh\u00f6rige ist im Krankenhaus und es ist klar, nach Hause geht nicht mehr oder jedenfalls nicht ohne erhebliche Unterst\u00fctzung. Und dann muss alles ganz schnell gehen.<br>Oft wird dann aus einem Notbehelf Routine, und oft kommt es dann zu regelm\u00e4\u00dfigen, wiederkehrenden Akutereignissen, die nicht nur extrem teuer f\u00fcr unser Gesundheitssystem sind, sondern f\u00fcr alle Beteiligten und besonders die Patienten, sehr belastend.<br>Wir wissen alle \u2013 und das wurde im letzten Pflegebericht des Landkreises Emsland vorgestellt &#8211; wir haben hier im Emsland eine demographische Entwicklung, die in der Zukunft zu noch h\u00f6heren Zahlen in der zu pflegenden Bev\u00f6lkerung f\u00fchren wird. Wir wissen alle, dass in vielen Gemeinden schon jetzt \u00c4rztemangel herrscht \u2013 und auch, dass \u00c4rzte keine ausgebildeten Pflegefachkr\u00e4fte sind. Denn dazu geh\u00f6rt weit mehr als nur der medizinische, medikament\u00f6se Blick.<br>Und wir wissen, dass wir einen Mangel an qualifizierten Pflegekr\u00e4ften haben. Schon jetzt. Es ist f\u00fcnf vor zw\u00f6lf. Ich habe das in vielen Gespr\u00e4chen mit den pflegenden Experten immer wieder geh\u00f6rt.<br>Wir m\u00fcssen hier innovativ werden und vor allem \u2013 wir m\u00fcssen Handeln. Der Koalitionsvertrag der Ampel sieht vor, dass sich hier in der Zukunft einiges \u00e4ndern wird, und vor allem auch die akademisierte Pflege einen besseren Weg in die Regelversorgung findet. Mit den entsprechend angemessenen L\u00f6hnen. Wir brauchen eine echte Pflegewende. Aber auf Bundesebene kann dies noch einige Zeit dauern. Reformen im SGB sind immer ein Dschungel und ein Haifischbecken mit vielen Akteuren und Interessen.<br>Desshalb m\u00f6chte ich appellieren: Wir k\u00f6nnen jetzt, auf Kreisebene, auch schon etwas tun. Wir k\u00f6nnen diese wichtigen, neuen Strukturen gut vorbereiten. Daher mein Antrag f\u00fcr eine Machbarkeitsstudie.<br>Denn wovon ich spreche: Ich spreche von hauptamtlichen, dezentralen, eng an die Kommunen angebundenen, professionellen Fachkr\u00e4ften, K\u00fcmmerer. Ich spreche nicht von Ehrenamtlichen. Bei mulitmorbiden, komplexen Krankheitsverl\u00e4ufen, die unsere Senioren vielfach haben, wo auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen, brauchen wir Fachpersonal.<br>Fachpersonal, das dann auch Pflegetische organisieren kann, die die komplexen Strukturen des deutschen Pflege- und Gesundheitssystem verstehen, die alle Akteure vor Ort kennen, die \u00c4rzte, die Krankenh\u00e4user, die ambulanten Dienste, die selber aber auch aufsuchende Hausbesuche und Versorgung wahrnehmen d\u00fcrfen und auf einem Blick erkennen, was n\u00f6tig ist. Und die dann auch in sinnhafter Weise ehrenamtliche Strukturen b\u00fcndeln und koordinieren k\u00f6nnen. Die die Wohnberatung vorbeischicken k\u00f6nnen, die die nachbarschaftliche Einkaufshilfe organisieren.<br>Und die die Kommune und die Menschen kennen. Die vor Ort sind. Pers\u00f6nlich, Ansprechbar. Keine Telefonnummer.<br>Nur so gewinnen wir Vertrauen, dass die \u00e4lteren Menschen sich auf eine pr\u00e4ventive Versorgung \u00fcberhaupt einlassen.<br>Wo eine solche Fachperson am besten anzudocken ist, ist wahrscheinlich f\u00fcr jede Kommune unterschiedlich. Mal ist es vielleicht die Kommune selber, mal das Krankenhaus am Ort, mal ein Pflegedienst. Genau das sollte eine solche Machbarkeitsstudie untersuchen und dann konkrete Vorschl\u00e4ge \u2013 angepasst an die lokalen Verh\u00e4ltnisse \u2013 machen. Ebenso wie sie Finanzierungsm\u00f6glichkeiten aufzeigen sollte. Denn die finanzielle Last kann die Kommune alleine nicht schultern.<br>Wir m\u00fcssen n\u00e4her an die Betroffenen heran. Und wir k\u00f6nnen jetzt die Vorbereitungsarbeit daf\u00fcr leisten.<br>Und zum Schluss m\u00f6chte ich aufmerksam machen auf das, was wir hierf\u00fcr an Elementen bereits haben: Die Hochschule Osnabr\u00fcck\/ Campus Lingen bildet seit 10 Jahren Fachkr\u00e4fte im Bachelor Studiengang Pflege dual aus.<br>Die Absolventen des Studiengangs Pflege (B.Sc.) dual werden fu\u0308r die Interaktion mit Patienten und auch Angeho\u0308rigen qualifiziert und verfu\u0308gen u\u0308ber die Kompetenz zur Stabilisierung des ha\u0308uslichen Settings. Sie werden ausgebildet als Ku\u0308mmerin bzw. Ku\u0308mmerer in der Familie oder auch auf kommunaler Ebene aktiv zu sein. Und zwar passgenau \u2013 so wie es die soziale und medizinische Situation der zu Pflegenden beno\u0308tigt und auch mit Blick auf die Angeho\u0308rigen.<br>Dieser Studiengang ist damals aus politischen Gr\u00fcnden von Hermann Br\u00f6ring ins Emsland geholt worden. Eine gute Initiative der CDU.<br>Leider verpuffen die Effekte: Absolventen haben im Emsland bisher kaum Karrierechancen, sie finden keine ihrem Qualifizierungsgrad entsprechenden Arbeitsangebote und wandern vermehrt nach NRW oder andere Bundesl\u00e4nder ab. Oder sie sind frustriert, weil sie wieder in ihre alte Stelle im ambulanten Pflegedienst zur\u00fcckkehren, ohne merkliche Gehaltserh\u00f6hungen. Warum ist uns im Emsland akademisierte Pflege nichts wert? Warum nutzen wir nicht das Potential der Absolventen, die sich hier ausbilden lassen und die in der Regel auch aus dem Emsland kommen und hier bleiben wollen?<br>Eine weitere, exzellente Initiative ist das Projekt REKO. REKO funktioniert in der Grafschaft Bentheim wie ich es mir w\u00fcnschen w\u00fcrde: eingebettet in kommunale Strukturen, nahe an der Bev\u00f6lkerung. Im Emsland hingegen sind die case manager angebunden an das Entlassungsmanagement der Krankenh\u00e4user in Lingen, Thuine, S\u00f6gel und Meppen. Dh. sie werden t\u00e4tig wenn das Akutereignis Krankenhausaufthalt schon eingetreten ist. Pr\u00e4ventive Hilfe \u00fcber den Pflegest\u00fctzpunkt in Meppen ist zwar m\u00f6glich, aber kaum bekannt. REKO k\u00fcmmert sich zudem um alle Altersgruppen. Das ist zwar gut, aber im gro\u00dfen Fl\u00e4chenland Emsland brauchen wir gerade f\u00fcr unsere Senioren mehr pr\u00e4ventive Hilfe.<br>Die Durchf\u00fchrung einer Machbarkeitsstudie k\u00f6nnte wichtige Synergieeffekte mit REKO untersuchen und entsprechende Vorschl\u00e4ge unterbreiten.<br>Ich denke, Sie haben jetzt alle verstanden, worauf es mir ankommt \u2013 und woher ich komme. Ich finde, dieses Thema ist zu Schade f\u00fcr parteipolitische Profilierung.<br>Ich habe daher vor diesem Antrag mit der Verwaltung gesprochen, wie mit vielen Akteuren. Die Verwaltung hat mir geraten, meinen Antrag umzuformulieren und anzupassen, was ich auch getan habe.<br>Dennoch ist der Beschlussvorschlag meines Antrages nochmals heruntergefahren worden. Mein Antrag war, eine Machbarkeitsstudie durchzuf\u00fchren, die nicht die Welt kostet. Gesch\u00e4tzt weit weniger als der Zuschuss zum Gemeinschaftshaus in der 10.000 Einwohnergemeinde Bernte. Stattdessen wird nun vorgeschlagen, dass die Verwaltung nach den Sommerferien berichtet.<br>Vor dem Hintergrund aller Expertenmeinungen, der internationalen Erfahrungen und des Pflegeberichtes dieses selbigen Ausschusses aus dem vergangen Jahr finde ich den Beschlussvorschlag ungen\u00fcgend. Pflegekr\u00e4fte wandern weiter ab, wir zeigen keine Perspektiven auf f\u00fcr die Pflegekr\u00e4fte und f\u00fcr unsere Bev\u00f6lkerung. Das sind nicht die richtigen Priorit\u00e4ten.<br>Ich kann meinen eigenen Antrag in der Sache nicht ablehnen, aber ich es ist einfach zu wenig, es ist zu zauderlich, es ist wenig weitsichtig. Ich bleibe weiter dran am Thema.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antrag zur Pflege von B\u00fcndnis 90\/ Die Gr\u00fcnen Rede von Martina Pellny, Antragstellerin und Mitglied des FachausschussesSehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Verwaltung, liebe Kollegen,Ja &#8211; warum habe ich diesen Antrag [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":-1,"featured_media":336,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,47],"tags":[],"class_list":["post-354","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kreistagsfraktion","category-antraege"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/354","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=354"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/354\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":355,"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/354\/revisions\/355"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=354"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=354"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gruene-emsland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=354"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}